Warum Atemschutz wichtig ist
In Lackierbetrieben – ob Autolackierung oder Industrielackierung – sind Beschäftigte regelmäßig Lackaerosolen, Lösemitteln und häufig auch Isocyanaten ausgesetzt. Besonders beim Spritzlackieren entstehen feinste Aerosole, die tief in die Atemwege eindringen können. Dieser Ratgeber zeigt, welche Gefährdungen bei Lackierarbeiten typischerweise auftreten und wie Gebläseatemschutz (PAPR) sinnvoll in das Schutzkonzept integriert werden kann.
Grundlagen zu Aufbau und Funktionsweise von Gebläsefiltergeräten finden Sie im Ratgeber „Gebläseatemschutz: Funktionsweise, Aufbau und Vorteile“. Normen und TH-Klassen sind im Ratgeber EN 12941 / EN 12942 erläutert. Eine strukturierte Auswahlhilfe bietet der Ratgeber „Gebläseatemschutz-System auswählen“.
Warum Lackierarbeiten besonders kritisch für die Atemwege sind
Beim Spritzlackieren werden Lacke und Beschichtungsstoffe mit hohem Druck zerstäubt. Es entstehen Aerosole in einem breiten Partikelspektrum – vom groben Nebel bis zu sehr feinen Tröpfchen, die tief in die Lunge gelangen können. Gleichzeitig sind viele Lacke lösemittelhaltig und enthalten häufig Isocyanate, insbesondere bei 2K-PUR-Lacken. Studien und berufsgenossenschaftliche Informationen zeigen, dass Sprühlackierarbeiten ohne wirksame Absaugung und Schutzmaßnahmen eine Hauptursache für Atemwegserkrankungen in diesem Bereich sind.
Gefährdungen
Lackaerosole: feine Tröpfchen, die beim Einatmen bis in die tiefen Atemwege gelangen können.
Lösemittel: können Schleimhäute reizen und bei hoher oder langfristiger Exposition u. a. zu Atemwegs- und Nervensystembelastungen führen.
Isocyanate in 2K-Lacken: gelten als stark sensibilisierend für Haut und Atemwege und sind eine der häufigsten Ursachen für beruflich bedingtes Asthma.
Entsprechend hoch sind die Anforderungen an technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen. Für Tätigkeiten mit Isocyanaten gelten u. a. die TRGS 430 „Isocyanate – Gefährdungsbeurteilung und Schutzmaßnahmen“ sowie einschlägige DGUV-Informationen, etwa DGUV Information 209-014 „Lackieren und Beschichten“ und Regelwerke zu Lackaerosolen.
Typische Gefahrstoffe in Autolackierung und Industrielackierung
Gefahrstoffe
Lösemittel: organische Lösungsmittel in Basis- und Klarlacken, Härtern und Verdünnern.
Isocyanate: insbesondere in 2K-PUR-Lacken (z. B. HDI-, TDI- oder MDI-Derivate); sie wirken reizend und sensibilisierend auf Haut und Atemwege.
Lackaerosole: feinste Tröpfchen aus Bindemitteln, Pigmenten und Additiven, die beim Spritzen entstehen.
Metall- und Effektpigmente: z. B. aluminiumhaltige Lacke oder Pigmente, die bei bestimmter Bearbeitung ebenfalls zu inhalierbaren Partikeln führen können.
Welche Kombinationen im Einzelfall relevant sind, ergibt sich aus Sicherheitsdatenblättern und der Gefährdungsbeurteilung. Diese bildet die Basis für jede weitere Entscheidung – von der Spritzkabine bis zur Auswahl des Atemschutzes.
Technische & organisatorische Maßnahmen in Lackierbetrieben
Auch in Lackierbetrieben gilt das STOP-Prinzip: Substitution, Technische Maßnahmen, Organisatorische Maßnahmen, Persönliche Schutzausrüstung. Persönlicher Atemschutz ergänzt immer nur die bereits umgesetzten technischen und organisatorischen Maßnahmen.
Technische Maßnahmen
Spritzkabinen und -stände: Stand der Technik sind geschlossene oder abgetrennte Spritzkabinen mit wirksamer Zu- und Abluftführung und ggf. Nassabscheidung.
Erfassung am Entstehungsort: Strömungsführung so, dass der Lacknebel von der Atemzone weg und in Richtung Absaugung geführt wird.
Lüftung und Raumorganisation: Sicherstellung ausreichender Luftwechsel, getrennte Mischräume, möglichst kurze Wege mit geschlossenen Gebinden.
Organisatorische Maßnahmen
Arbeitsorganisation: Minimierung von Spritzarbeiten außerhalb von Kabinen, klare Vorgaben für Spritztechnik und Reinigungsarbeiten.
Gefährdungsbeurteilung & Betriebsanweisungen: für Lacklager, Mischraum und Spritzbereich; insbesondere bei Einsatz von Isocyanaten verweist TRGS 430 auf zusätzliche Anforderungen.
Unterweisung: regelmäßige Schulung zu Gefahrstoffen, Atemschutz, Hautschutz und Verhalten im Störfall.
Erst wenn diese Maßnahmen ausgeschöpft sind oder die Exposition dennoch nicht ausreichend gemindert werden kann, kommt Persönliche Schutzausrüstung – insbesondere Atemschutz – ins Spiel.
Persönliche Schutzausrüstung: Atemschutz bei Lackierarbeiten
Für Lackierarbeiten kommen je nach Expositionssituation unterschiedliche Atemschutzlösungen in Betracht:
Filtrierende Halbmasken und Masken mit Filtern
Filtrierende Halbmasken (z. B. FFP2/FFP3 mit Valven): überwiegend für Partikel; bei lösemittel- und isocyanathaltigen Lacken ist dies häufig nicht ausreichend.
Halb- oder Vollmasken mit Gas- und Partikelfiltern: können bei bestimmten Lösemitteln und Isocyanaten eingesetzt werden, wenn die Exposition im Rahmen definierter Grenzwerte bleibt und die Gefährdungsbeurteilung dies zulässt.
Grenzen: höherer Atemwiderstand, insbesondere bei längerem Tragen und körperlicher Belastung; Dichtsitz hängt stark von der Passform und z. B. von Bartwuchs ab.
Gebläseatemschutz (PAPR) im Lackierbetrieb
Gebläseatemschutz mit geeigneten Filtern und Hauben/Helmen kann insbesondere bei regelmäßigen Spritzarbeiten, hoher Belastung oder langen Tragezeiten eine ergonomische Alternative darstellen. In DGUV-Empfehlungen und Handlungsanleitungen wird betont, dass Sprühlackierungen mit isocyanathaltigen Systemen ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen darstellen und daher wirksame technische Maßnahmen und geeignete Atemschutzlösungen erforderlich sind.
Reduzierter Atemwiderstand: Das Gebläse übernimmt den Lufttransport durch den Filter.
Konstante Luftzufuhr: gefilterte Luft mit leichtem Überdruck im Kopfteil kann das Eindringen von Raumluft in vielen Situationen reduzieren.
Kombinierte Systeme: Hauben-/Helmkombinationen bieten Atem- plus Kopf- und Gesichtsschutz.
Optionen für Bart- und Brillenträger: lose anliegende Kopfteile können, im Rahmen der Normen und der Gefährdungsbeurteilung, Vorteile bieten.
Welche Filtertypen und Systemkonfigurationen für Lösemittel- und isocyanathaltige Lacke zulässig sind, muss immer anhand der Herstellervorgaben, Sicherheitsdatenblätter und der einschlägigen Regelwerke (z. B. TRGS 430) geprüft werden.
Gebläseatemschutz in Autolackierung und Industrielackierung – Praxisbeispiele
Gebläseatemschutz kann an verschiedenen Arbeitsplätzen in Lackierbetrieben sinnvoll sein:
Fahrzeuglackierung und Spot-Repair
Manuelle Spritzlackierung in Kabinen mit 2K-Lacken und Klarlacken
Spot-Repair-Arbeiten an Fahrzeugen, bei denen eine vollständige Kabinennutzung nicht immer möglich ist
Vorbereitende Arbeiten (Anschleifen, Füller spritzen) mit deutlichem Aerosolaufkommen
Industrielackierung
Spritzlackieren von Bauteilen, Maschinen, Stahlkonstruktionen oder Großteilen
Serien- und Bandlackierung – häufig Wechsel zwischen Beschichtungs- und Kontrollarbeitsplätzen
Beschichtung von Objekten mit komplexer Geometrie, bei denen die Aerosolerfassung schwierig ist
Mischräume und Reinigungsarbeiten
Mischen von Lacken, Härtern und Verdünnern
Reinigung von Spritzpistolen und Anlagen, insbesondere bei Nutzung lösemittelhaltiger Reiniger
Für jeden dieser Bereiche muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung geprüft werden, ob technische Maßnahmen ausreichend sind oder ob ergänzender Atemschutz – ggf. Gebläseatemschutz – erforderlich ist.
Auswahlkriterien für Gebläseatemschutz in Lackierbetrieben
Die Auswahl eines passenden Gebläseatemschutz-Systems für Lackierarbeiten folgt denselben Grundprinzipien wie in anderen Branchen, ist aber durch Lösemittel- und Isocyanatbelastungen besonders sensibel.
Gefahrstoffprofil: Welche Lacke, Härter, Verdünner und Zusatzstoffe werden eingesetzt? Liegen Isocyanate vor (2K-PUR-Lacke)?
Verfahren und Expositionsdauer: Dauerhafte Spritzarbeiten, gelegentliche Reparaturlackierungen, Misch- und Reinigungsarbeiten.
Technische Maßnahmen: Wirksamkeit von Spritzkabinen, Absaugungen und Lüftung.
Nutzergruppen: Bart- und Brillenträger, Kopf- und Gesichtsschutzanforderungen.
Normen & Klassifizierung: Prüfung, nach welchen Normen (z. B. EN 12941) die Geräte in Kombination mit den verwendeten Hauben/Helmen zugelassen sind und welche TH-Klasse erreicht wird.
Eine ausführliche Checkliste zur Auswahl von Gebläseatemschutz-Systemen finden Sie im Ratgeber „Gebläseatemschutz-System auswählen“.
CleanAIR Gebläseatemschutz für Lackierbetriebe
CleanAIR bietet Gebläsefiltergeräte und Kopfteile, die – je nach Filterbestückung und Konfiguration – auch für Lackierarbeiten in Frage kommen können. Dazu gehören u. a. universelle Atemschutzgebläse, die mit Hauben- oder Helm-/Visierlösungen kombiniert werden.
Universelle Gebläsegeräte für Partikel und – je nach Filterauswahl – bestimmte Gase und Dämpfe
Hauben- und Helmsysteme mit großem Sichtfeld für Arbeiten an Fahrzeugen oder Bauteilen
Komplettsets, die Gebläseeinheit, Schlauch, Kopfteil und Zubehör kombinieren
Eine Auswahl geeigneter CleanAIR-Gebläseatemschutz-Systeme finden Sie im ADESATOS Onlineshop:
Welche Konfiguration für Ihren Lackierbetrieb geeignet ist, sollte gemeinsam mit Fachkräften für Arbeitssicherheit, Betriebsärztinnen/-ärzten und unter Berücksichtigung der einschlägigen Regelwerke entschieden werden.
Beratung & Integration in Ihr Lackier-Schutzkonzept
Gebläseatemschutz ist ein Baustein im Gesamtkonzept aus Spritzkabine, Lüftung, Organisation und persönlicher Schutzausrüstung. Damit die Systeme effektiv eingesetzt werden können, sollten Auswahl, Unterweisung und Wartung klar geregelt sein.
Beratung zur Auswahl geeigneter Gebläseatemschutz-Systeme für Autolackierung und Industrielackierung
Unterstützung bei der Einbindung in bestehende Schutzkonzepte und Betriebsanweisungen
Hinweise zu Wartung, Filtermanagement und Nutzerunterweisung
FAQ: Häufige Fragen zu Gebläseatemschutz in Lackierbetrieben
Brauche ich bei modernen Spritzkabinen überhaupt noch Atemschutz?
Spritzkabinen mit wirksamer Luftführung reduzieren die Exposition deutlich, ersetzen Atemschutz jedoch nicht in jedem Fall. Ob Atemschutz erforderlich ist, hängt von der konkreten Gefährdungsbeurteilung, den eingesetzten Lacken und der tatsächlichen Expositionssituation ab.
Welchen Vorteil hat Gebläseatemschutz gegenüber Halbmasken beim Lackieren?
Gebläseatemschutz reduziert den Atemwiderstand und kann ein angenehmeres Mikroklima im Kopfteil schaffen. Gerade bei längeren Spritzarbeiten und hoher körperlicher Belastung kann das die Trageakzeptanz erhöhen.
Kann ich ein Gebläseatemschutz-System in mehreren Bereichen einsetzen?
Ob ein System sowohl in der Fahrzeuglackierung, in der Industrie- oder Mischraumarbeit eingesetzt werden kann, hängt von den Gefahrstoffen, den Filtern und den Normen ab, nach denen das System geprüft wurde. Dies sollte in der Gefährdungsbeurteilung und mit Blick auf Herstellerangaben geprüft werden.
Welche Rolle spielt die arbeitsmedizinische Vorsorge bei Isocyanaten?
Bei Tätigkeiten mit isocyanathaltigen Lacken sind arbeitsmedizinische Vorsorge und fachärztliche Beurteilung wichtig, da Isocyanate starke Atemwegs- und Hautsensibilisatoren sind. Betriebsärztinnen und -ärzte unterstützen bei der Bewertung individueller Risiken und der Eignung zum Tragen von Atemschutz.
Sie haben konkrete Fragen zu Gebläseatemschutz in Ihrem Lackierbetrieb? Kontaktieren Sie uns.